Das Wasserschloss als Geschichtsort

Die Geschichte des Wasserschlosses Werdringen reicht bis in das Hochmittelalter zurück. Erste Hinweise auf eine wohl hofartige Ansiedlung datieren in die Mitte des 13. Jahrhunderts. Damals war Werdringen ein Lehnsgut der Herren von Volmarstein, die zum kurkölnischen Ministeradel zählten.In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts war die niederadelige Familie Dobbe mit dem Gut Werdringen belehnt. Das Rittergeschlecht Dobbe besaß zu dieser Zeit einen größeren Grundbesitz im Bereich Wetter, Herdecke und Vorhalle. Zugleich lässt sich diese Familie seit Anfang des 13. Jahrhunderts auch als Bürger der Reichsstadt Dortmund nachweisen, wo sie spielte, Einfluss auf die Dortmunder Stadtpolitik und Autonomie zu nehmen.

Nach der für die märkische Partei gewonnenen Schlacht bei Woringen im Jahr 1288 und dem Verlust der kurkölnischen Herrschaft über das Territorium der Herren von Volmarstein im Jahr 1324 waren die Herren von Dobbe märkische Lehnsnehmer und ein regionaler Machtfaktor der Grafen von der Mark. In dieser Zeit zur Mitte des 14. Jahrhunderts fällt auch der erste Beleg für die Existenz einer Befestigungsanlage Werdringen, und zwar in Form eines steinernen, befestigten Gebäudes (Castrum lapideum). Über das Aussehen und die Gestalt dieses spätmittelalterlichen Adelssitzes liegen keine Schriftquellen vor. Bauhistorische und archäologische Befunde fehlen bisher ebenfalls bzw. wurden bei den Sanierungsarbeiten in den 1980er Jahren nicht gesichert.Im 15. Jahrhundert bestand Werdringen vermutlich aus mehreren Gebäuden, von denen zwei als herrschaftliche Häuser bezeichnet wurden. Während der Soester Fehde kam es 1449 zu einer Zerstörung zumindest eines Gebäudes („Dobben huse“) auf dem Adelssitz. 1483 gelangte Werdringen durch Heirat an die Familie von Grüter, wobei es aufgrund derunzureichenden Quellenlage bisher nicht möglich ist, die genauen Besitzverhältnisse des gesamten Lehnguts der Grafen und herzöge von Kleve – Mark nachzuvollziehen. In Quellen des 15. Jahrhunderts ist von einem „Vordersten Steinhaus“ und von einem „Hintersten Steinhaus“ die Rede. Das erstgenannte Gebäude war zu dieser Zeit im Besitz der Familie Dobbe über das niederadelige Geschlecht von Capell zur Familie von Elverfeld und schließlich an die Freiherren von Berchem, deren letzter männlicher Vertreter 1789 auf Werdringen verstarb.

Ein Prozess im Jahr 1617 um den Besitz an Werdringen führte schließlich zur Belehrung der Freiherren von der Recke als Erbfolge der Herren von Volmarstein. Durch Weitergabe als Afterlehen gelangte der Adelssitz an die Freiherren von Grüter. Im ausgehenden 18. Jahrhundert erfolgten mehrere Prozesse um die Besitzverhältnisse. Dabei kam es auch zu einer Beschreibung und Erfassung der damals noch vorhanden Bausubstanz aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. 1817 wurden die Freiherren von der Recke in den erblichen Grafenstand erhoben, ein Zweig dieser Familie bewohnte bis um 1870 den Adelssitz.